Huhn oder Ei?

Ein golden glänzendes Ei hinter einer dicken, weißen Wolke vor blauem Himmel.
Was ist wohl zuerst aus den Wolken gefallen? Das Huhn oder das Ei?

Tja – was war wohl zuerst da?
Das Huhn oder das Ei?

Eine Frage, die sich gerade jetzt in der Osterzeit natürlich ganz besonders dringend stellt, denn wer hat sich nicht schon einmal diesem nahezu tiefenphilosophisch anmutenden Thema genähert. Denk mal drüber nach, da bekommst du ziemlich schnell einen ziemlich dicken Knoten in die Gehirnwindungen… Aber keine Bange, dafür sitzen wir hier ja gerade so lauschig zusammen. Ich versuche also, diese Frage einmal anhand unserer Herzensprojekte zu beantworten: Wie entstehen die Kinderbücher und die Familienbücher bei uns im himmelbau? Was ist da zuerst vorhanden – der Text (das Huhn) oder die Illustration (das Ei)?

“Zahn um Zahn”
Der Text kam nachts herausgepurzelt

Bei unserem ersten Buch “Zahn um Zahn – der große Wackelzahn-Wirbel” ist die Antwort ganz klar: Da purzelte zuerst der Text in diese Welt. Der kleine Sohn meiner Freundin Ruth hatte nämlich gerade sehr schwer zu kämpfen mit seinem allerersten Wackelzahn. Der wollte und wollte einfach nicht ausfallen, da halfen kein Tricks und kein gutes Zureden, da musste eine gute Idee her. Er tat mir wirklich leid, der kleine Kerl, und ich fragte mich, wie ich ihm wohl aus seiner doofen Zwangslage raushelfen konnte. Und eines nachts stand plötzlich Willi Wurzelzwerg vor mir. Das ist nämlich der eigentliche Held beim Zähnchen-Verlieren, erklärte er mir, und gar nicht die Zahnfee. Die kennt zwar jeder und jede, aber ER ist es, der dafür zuständig ist, dass die ersten Zähne herausfallen, damit die neuen, größeren nachrücken können! Das zauberhafte Kerlchen erzählte mir also, wie sich das Ganze so in Wahrheit verhält, und ich habe es einfach heruntergeschrieben. Also, natürlich kommt auch noch die Zahnfee persönlich drin vor und auch noch ein tapferer Marienkäfer, aber vor allem ist es Willis Geschichte. Und als sie dann da in Textform auf Papier stand, kam Anni ins Spiel und hat Willi, Zilli die Zahnfee und den Marienkäfer illustriert.

“Von allen guten Geistern”
Am Anfang war das Bild

Anders lief es bei Buch Nummer zwei: “Von allen guten Geistern – Arthur aus dem Wehr”. Anni hatte dem guten Geist Arthur schon ein Gesicht gegegen, denn das ist ein Gespenst, das die Familie Demmer in ihrem Haus an der Wupper – im alten Schleifkotten – schon seit Generationen begleitet. Anni kennt Arthur dementsprechend gut und lange Zeit und weiß genau, wie er so tickt und aussieht! Und dann bekam auch der Kotten ein Gesicht und der Baumgeist Ruhmhardt, Nika, unsere kleine Heldin, die Nacht für Nacht mit Arthur durch den Wupperwald streift und die guten Geister kennenlernt – und alle andere. Also: Da war, wenn du so willst, das Ei (die Illustration) zuerst da – und dann kam erst das Huhn, also der Text.

“Die KinderGärtner”:
Mal so, mal so

Jetzt, bei unserem neuen Buch “Die KinderGärtner” sind die Grenzen noch verschwommener. Manchmal kommt Anni mit einer neuen, wunderbaren Illustration um die Ecke – und verursacht damit ein Synapsen-Feuerwerk in meinem Kopf, sodass der Text sich wie von selbst schreibt. An anderen Stellen des Buches gibt es ein Kapitel, das mir über die Finger in die Tasten gepurzelt ist – und Anni findet genau die Bilder dazu in ihrem Kopf, die ich mir so toll niemals hätte ausmalen können. Und besonders an diesem Buchprojekt ist wesentlich, dass wir ganz eng mit unseren beiden echten “KinderGärtnern” Felix und Mathes zusammenarbeiten. Die beiden waren vier und sechs Jahre alt, als die Buchidee entstand, und wir haben ein Jahr lang daran gezeichnet, geschrieben, geblogt und gepodcastet. Das Ergebnis kannst du in ein paar Wochen im Buchhandel bekommen, wir freuen uns riesig auf Buchbaby Nummer drei!

Was aber funktioniert nun besser?
Zuerst das Huhn (der Text), dann das Ei (die Illu)?

Das ist eine Frage, die ich nicht wirklich beantworten kann. Denn sowohl Huhn als auch Ei funktionieren ja nicht ohne einander. Und während das Huhn ein Ei legt, entsteht in ihm drin schon wieder ein neues kleines Hühnchen. Es ist also ein ewiger Kreislauf. Huhn legt Ei, Ei wird zu Huhn, legt ein Ei, wird zum Huhn… und so weiter und so weiter. Um es auf den himmelbau und unsere Arbeit zu übertragen: Das Eine geht nicht ohne das Andere. Beides gehört zusammen, wie Huhn und Ei eben. Frohe Ostern!

Aller Anfang

Daniela Tepper sitzt auf einem braunen Sofa und hält ein Buch in dunkelrotem Leineneinschlag in der Hand. Sie trägt ein hellblaues Hemd und lächelt in die Kamera.
Bücher kann man einfach niemals genügend besitzen! Hier lese ich gerade in meinem liebsten Märchenbuch.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,

der uns beschützt und der uns hilft zu leben.

Hermann Hesse

ja – ist zauberhaft, stimmt schon, aber er kann sich auch schon mal ziemlich schwierig gestalten. Was so eine Verlagsgründung aber auf jeden Fall ist: Eine Achterbahnfahrt der Gefühle!

Kein Champagner,
keine Fanfaren

Vor fast genau einem Jahr habe ich den “himmelbau-Verlag” offiziell aus der Taufe gehoben. Das klingt wunderbar pathetisch, oder? In Wahrheit war es aber ziemlich unprätentiös, denn ich habe einfach nur mein Gewerbe online bei der Stadt Köln angemeldet. Punkt. 26 Euro, digital an die Stadtkasse überwiesen, Dankeschön, Gewerbeschein ebenfalls online per PDF als automatische Rückantwort. Und das war’s. Tja. Kein Champagner-Korken-Knallen, keine Fanfarenklänge, kein Konfettiregen. Einfach nur ein leises “Pling” meines Mailprogramms. Doch soll ich dir etwas verraten? Trotzdem war es ein erhebendes Gefühl!

Meine eigene Chefin sein! Wow!

Nach über 25 Jahren Berufstätigkeit bei verschiedenen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten bin ich seit Februar 2020 meine eigene Chefin! Wow! Was für ein Schritt. Seit diesem Tag wächst der himmelbau jeden Tag ein kleines bisschen weiter. Im März 2020 traf ich durch einen glücklichen Zufall (davon gab’s wirklich, wirklich viele im vergangenen Jahr!!) auf Anni. Also, eigentlich Annika Demmer, aber sie wird von allen nur Anni genannt, und da schließe ich mich natürlich sehr gern an. Anni ist seitdem meine “bessere Hälfte” bei allen Geschichten aus dem himmelbau.

Teamplayer sein ist aber doch schöner …

Wir werfen uns seitdem fast täglich digital und analog die Bälle zu, ergänzen und bereichern uns gegenseitig. Sie kann brillant, was ich niemals könnte: einzigartig und wunderbar zeichnen und gestalten. Und ich kann, wozu es sie nicht so unbedingt treibt: schreiben. Uns beiden gemeinsam ist die Freude am Geschichtenerzählen. Wir wollen schöne, wertvolle Bücher gestalten, die man gern in die Hand nimmt, in denen man gern herumblättert, aus denen man gern vorliest – und die man am allerliebsten von Generation zu Generation weitergibt. Wie einen Schatz, der einem einfach ans Herz gewachsen ist.

himmelbau – der Verlag in den Kinderschuhen!

Wir stecken noch in den Kinderschuhen und möchten da auch gern drinbleiben – zumindest, was die überbordende Phantasie, die Herzenswärme, die Offenheit und die Neugier betrifft, die Kinder einfach mit in diese Welt bringen. Und die uns Erwachsenen im Laufe der Lebensjahre nur allzu leicht verloren geht. Mein Wunsch für dieses Jahr? Dass unser kleiner, feiner Familienbuchverlag laufen lernt. In seinen Kinderschuhen.